Frankfurt Oberrad: Heimat der Grie Soß

Das Gärtnerdorf zwischen Sachsenhausen und Offenbach
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Was im Kräuterpäckchen drin ist

27. April 2012 Gepostet in Presse Tags: , ,

Grüne-Soße-Mischungen von Experten unter die Lupe genommen. Manch ein Frankfurter hat sich in den Wochen vor Ostern gewundert: Im Grüne-Soße-Päckchen war sehr viel Petersilie, die anderen Kräuter aber kaum enthalten. Wir haben dem Fachmann fünf Päckchen vorgelegt.

Sachsenhausen. Auf dem Sachsenhäuser Markt braucht man nicht lange, um fündig zu werden: Gemüsehändler Norbert Kress hat in der Mitte des Platzes vorm Südbahnhof die Papierrollen an exponierter Stelle, gleich neben den Erdbeeren, gestapelt. „Die Kräuter sind selbstverständlich in Oberrad gewachsen“, sagt Kress und öffnet ein Päckchen, „jetzt sind die Kräuter ausgewogen, vor ein paar Wochen war noch mehr Petersilie darin, die zugekauft wird. Das ist saisonbedingt“, fügt er erklärend hinzu. „Am wichtigsten ist der Sauerampfer, davon muss genug drin sein.“ Gut, gekauft. Dass die 2,95 Euro ein stolzer Preis sind, wird uns klar, als wir das nächste Päckchen erstehen: Im „Rewe“ ein paar Schritte weiter kostet die Kräuterrolle 2,49 Euro.

Probe aufs Exempel

Die sieben Kräuter der Grünen Soße – Petersilie, Kresse, Kerbel, Schnittlauch, Sauerampfer, Borretsch und Pimpernelle – sollen ausgewogen, also keines zu mehr als 30 Prozent, enthalten sein, lautet die Regel, die die Oberräder Gärtner vom „Verein zum Schutz der Frankfurter Grünen Soße“ aufgestellt haben. Beim Kräutergärtner Schecker auf dem Konstablerwache-Markt machen wir die Probe aufs Exempel und lassen uns die Kräutermischung am Stand der „Kräuterhexe“ lose zusammenstellen. Und schließlich geht es noch in die Kleinmarkthalle. Ein Päckchen kaufen wir beim Gemüsebauer Altundal für 2,49 Euro und eines beim Bio-Stand „Gut zum Leben“, das in der Plastiktüte daherkommt und mit 4,20 Euro ordentlich zu Buche schlägt.

Rucola statt Kresse

Koch Fred Wisler, unser Fachmann bei Feinkost Meyer im Sachsenhäuser Ziegelhüttenweg, arbeitet seit 29 Jahren für das Unternehmen. Er war im vergangenen Jahr im Feinkost-Meyer-Team dabei, das beim „Grüne-Soße-Festival“ den zweiten Platz belegte. Er staunt nicht schlecht, wie unterschiedlich die Päckchen zusammengesetzt sind. „Wir bekommen die 60-fache Menge am Tag, da gucken wir nicht so genau rein,“ erklärt er.

Kaum liegen die fünf Kräuter-Mischungen vor ihm, begutachtet Wisler fachmännisch das erste Päckchen – und wundert sich: „Hier fehlt die Kresse. Stattdessen ist Rucola drin, der da gar nicht reingehört.“ Gemeint ist das Bio-Kräuter-Päckchen. Noch dazu ist glatte Petersilie statt gekräuselter drin – das geht nun wirklich gar nicht.

Der nächste Haufen strotzt vor Petersilie. „Außerdem ist etwas zu wenig Pimpernelle drin“, moniert Wisler. „Rewe“ fällt also auch negativ auf. Die Kräutermischung vom Konstablerwache-Markt: „Könnte etwas mehr Borretsch vertragen, ist aber sonst gut ausgewogen.“

Päckchen Nummer vier: Norbert Kress’ Kräuterlieferant vom Sachsenhäuser Markt hat es mit dem Sauerampfer etwas zu gut gemeint. Der Gewinner ist schnell ausgemacht: „Wenn eines der Päckchen gewinnen soll, dann dieses hier“, sagt Wisler. „Es ist genug von allem darin, ausgewogen und frisch.“ Freuen kann sich Gemüsebauer Altundal, genauer gesagt die Oberräder Gärtnerei Krämer, die auf ihrer Papierrolle einräumt: „Sieben Kräuter, zusammengestellt je nach Jahreszeit“.

Warum die richtige Mischung so wichtig ist, merken wir beim Geschmackstest: Jedes Kraut hat seine ganz markante Note, die bei zu geringer Menge einfach fehlen würde. Die Schärfe der Kresse, das Samtige des Borretsch, die leichte Anis-Note im Kerbel. „Wir bei Feinkost Meyer finden die Grüne Soße richtig, wenn Petersilie und Schnittlauch zusammen 40 Prozent der Mischung ausmachen.“ Und: Zerkleinern am besten mit der Küchenmaschine, nicht mit dem Fleischwolf, denn der presst zu viel Flüssigkeit heraus, statt die Kräuter nur zu schneiden. (stw)

Quelle: Frankfurter Neue Presse, abgerufen am 27.04.2012 21:10 Uhr

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